14.11.-16.11.2019 Artus-Tour Teil 4: Saarbrücken, Bremen, Oberhausen

14.11.-16.11.2019 Artus-Tour Teil 4: Saarbrücken, Bremen, Oberhausen

Guten Morgen, liebes Tagebuch!

Auf geht’s zum nächsten Tourblock! Es beginnt wie immer am Proberaum in Gröbenhell. Ich sammle wieder Philipp am Flughafen auf und starten direkt die Strecke nach Saarbrücken. Stefan ist wieder fit und somit steht einem erfolgreichen vierten Tourblock nichts im Weg!
Nach einem kleinen, aber feinen Absacker verschwinde ich in meiner Koje. So ist zumindest der Plan. Oben trifft einen aber erst mal die Frostkeule. Wir haben einen englischen Bus und die Heizung im ersten Stock muss an einer Schalttafel bedient werden. Nachdem ich das mit dem Fahrer geklärt habe, mache ich mich auf die Suche nach dem richtigen Knopf und werde nach ein paar Fehlversuchen fündig. Das Gebläse geht an und es wird – langsam – wärmer. Decke über die Ohren und gute Nacht.

Die Garage in Saarbrücken sieht noch genauso aus wie immer, nur haben wir diesmal einen anderen Backstageraum. Weiter vorne und größer. Kann man machen! Der heutige Tag steht für mich unter dem Motto: Rechner an den Start bringen. Nachdem die neue Tastatur nicht den erwünschten Erfolg brachte, hat Lo seinen alten meinem sehr ähnlichen Rechner mitgebracht. Jetzt heißt es Daten auf externe Festplatte ziehen. Das dauert. Ich arbeite derweil das Nötigste auf dem Tablet. Inzwischen geht Sozial Media ja auch auf diesem Wege. Genauer genommen ist das einer von vielen. Manchmal sitze ich mit drei Geräten – iPhone, MacBook und iPad – vor mir da, weil Facebook manche Features in den Apps integriert hat, die auf dem Rechner ungleich aufwändiger oder gar nicht verfügbar sind, andersrum aber genauso. Sprich: Manche Dinge gehen ausschließlich am Rechner. Das muss man wissen und im Vorfeld entsprechend planen. Sonst kann man zwischendurch ganz schön alt ausschauen. So geht mein Tag dahin, ich pendle zwischen Backstageraum und Catering mit Zwischenstopp an der Kaffeemaschine. Apropos Kaffeemaschine: Geht das anderen eigentlich auch so, dass jeder problemlos seinen Kaffee bekommt, aber IMMER, wenn ihr euch einen Kaffee ziehen wollt, entweder der Bohnenbehälter oder der Wassertank leer oder der Satzbehälter voll ist oder die Maschine unbedingt jetzt gereinigt oder entkalkt werden muss? Falls ja: willkommen in meinem Leben!
Unser Soundcheck dauert heute ein paar Minuten länger, weil Andy am Monitorpult durch Andi ersetzt wird. Und weil die Namen so gleich sind, heißen die beiden bei mir Cese und Herr Meier. Herr Meier hat schön öfter ausgeholfen und macht ebenfalls einen hervorragenden Job!
Irgendwann ist jeder glücklich und wir begeben uns zurück in den ersten Stock. Die Festplatte arbeitet immer noch auf Hochtouren. Das tun auch die beiden Köchinnen und so ist das Abendessen eine halbe Stunde früher fertig. Kommt mir dank akuter Hungerattacke sehr entgegen! Es gibt hervorragende Köstlichkeiten und ich muss mich dezent einbremsen, um das zulässige Gesamtgewicht auf meinem Riser nicht zu überschreiten.
Aber es ist noch genug Zeit, um Lachs und Co zu verdauen und unser Backstageraum ist erfüllt von lauter Musik.
Vroudenspil eröffnen den Abend, wir ziehen uns um und bereiten uns auf die Show vor. Dann ist es soweit und nach Händekreis, Schlachtruf und Abklatschen geht es auf die Bretter. Es wird ein schöner Abend mit ein paar technischen Pannen, die man draußen aber nicht merkt. So kommt zum Beispiel aus meinem In-Ear-Sender fast nichts raus und ich reiße das Bodypack auf Vollanschlag, um überhaupt etwas zu hören. Bei diesem Level wird man normalerweise innerhalb weniger Sekunden taub. Heute ist es ein Säuseln im Wind. Naja, wir sprechen hier von Luxusproblemen…
Durchgeschwitzt verlassen wir nach weit über 2 Stunden die Bretter, ziehen uns um, duschen und kommen nochmal raus zu den Fans. Es gibt nette Gespräche, Fotos, Unterschriften. Bis der Bus ruft. Weiter geht’s nach Bremen!

Die Nacht wird bescheiden! Ich schlafe ja sowieso unruhig, wenn der Bus rollt, heute Nacht haben wir aber auch noch zwei Vollbremsungen, bei denen wir mit den Füssen gegen die Kojenwand katapultiert werden. Da sagt das Nebennierenmark „guten Morgen“ und flutet den Körper mit Adrenalin. Ergebnis: ich bin hellwach. Kurz vor Vollbremsung zwei schlafe ich fast. Dann beginnt das Spiel von vorne.
Entsprechend gerädert stehe ich morgens auf und begebe mich ins Aladin. Ursprünglich sollte die Show im Schlachthof stattfinden, der war aber recht schnell ausverkauft, also haben wir ins Aladin hochverlegt. Im Dunkeln ist das eine echt schöne Halle, die einen ganz eigenen Charme hat. Bei Tageslicht sollte man nicht zu genau hinschauen…
Die Backstageräume sind klein, aber dafür warm. Marc hat morgens bereits mit dem Datentransfer von Festplatte auf Ersatzrechner begonnen und so steht auch dieser Tag wieder unter dem Motto: Rechner an den Start bringen. Um es abzukürzen: Es gibt ein paar Probleme und so wird ein neuer Plan geschmiedet: Aus zwei mach eins. Meine SSD Platte wandert in den neuen Rechner und schon läuft alles problemlos. Was bin ich froh um die Computerfreaks in unserer Crew! Ich selbst hätte die Reparatur irgendwann mit der Kettensäge beendet. Oder der Flex. Und das wäre mich deutlich teurer gekommen; abgesehen davon, dass ich die alten, noch aufschraubbaren MacBooks mit allen Anschlüssen viel geiler finde als die Neuen.
Der Soundcheck heute besteht vor allem in der Fehlersuche der gestrigen Pannen. Natürlich funktioniert alles wieder einwandfrei und wir können ein weiteres Kapitel zum Thema „Akte X des Musikbusiness“ schreiben. Magic!
Pünktlich zum Abendessen steht plötzlich der Zoll in Form von etlichen uniformierten Beamten im Catering. Personalüberprüfung. Wir sind außen vor, ebenso unsere Crew. Aber die örtlichen Hands werden alle gecheckt. Wir lassen uns derweil die Köstlichkeiten aus den Rechauds schmecken und beobachten dabei das muntere Treiben. Ob die Damen und Herren in Dunkelbau fündig werden oder nicht entzieht sich aber meiner Kenntnis. Zu uns sind sie sehr nett und gesprächig.
Schließlich treffen wir uns alle eine Stunde vor der Show im kleinen Backstageraum. Es läuft die von Stefan kreierte Spotify-Playlist zum Einstimmen. Wer das mal nacherleben möchte, bitteschön:

Gut gelaunt machen wir uns auf den Weg zur von Vroudenspil gut angewärmten Bühne und dann wird das Aladin auseinandergenommen! Was für ein geiler Abend! Die Bühnenklamotten müssen anschließend ausgewrungen werden! Thomas hat für „Willst du“ noch eine geile Idee: Es gibt in der Halle als eine Art Wellenbrecher eine in der Mitte offene Mauer, die breit genug ist, um darauf zu stehen. Wir beide performen den Song also dort. Mitten im Publikum, etwas erhöht. Zurück trägt mich „Pferdchen“ Paul auf seinem Rücken durch die Menge und wir beenden den Abend mit einer letzten Zugabe: „auf euch!“
Was für ein Fest!
Duschen und Trockenlegen sind Pflicht, dann geht es raus zu den Fans, die uns schon erwarten.
Irgendwann wird die Halle geräumt, es geht weiter in eine Kneipe im Haus neben dem Einlass. Irgendwann verabschiede ich mich in Richtung Bus. Wir haben heute Nacht eine relativ kurze Strecke, das bedeutet für mich etwas mehr Schlaf. Und so kommt es auch. Ich erwache gegen 10 Uhr in Oberhausen. Wir stehen direkt am Backstageeingang zur Turbinenhalle. Hier waren wir schon lange nicht mehr und ich muss mich erst orientieren, aber nette Menschen sagen mir alle paar Meter: „geradeaus“, „die nächste links“, „nochmal links“ und „ganz hinten letzte Türe rechts“. Geschafft!
Gepäck ablegen, Gebiss bürsten, kurze Grundhygienisierung und ab zum Frühstück. Nach einem Rührei und einem Kaffee sieht die Welt noch sonniger aus, als es eh schon ist.
Ich stürze mich in Büroarbeit, dank funktionierendem Rechner kann ich ein paar Dinge nachholen. Dann kommt Besuch von Andreas Mama. Andreas war ein guter Freund, der lange unsere Fachkraft in Sachen Internet war. Er verstarb leider sehr plötzlich vor 3 Jahren. Seine Mutter besucht uns immer, wenn wir in ihrer Nähe spielen. Sie bleibt bis zum Soundcheck. Der findet heute in Bühnenklamotte statt. Wir haben eine große Bühne und eine mediales Großaufgebot befreundeter Fotografinnen (stimmt, heute sind alle weiblich!). Alle haben uns schon auf diversen Tourblöcken begleitet, heute ist sozusagen Gipfeltreffen: Claudia und Nici als Lokalmatadore, Santi für Multimedia und Nina als (nieder)bayerische Verstärkung. Da darf man sich auf großartige Ergebnisse freuen! Fotos während des Soundchecks haben den Vorteil, dass die Fotografen ungehindert und ohne einen Showablauf zu stören über die Bühne latschen können und sollen und damit viel näher an die Protagonisten herankommen. So entstehen schöne Close Ups und sehr spezielle Bilder.
Auch Drohnenkapitän Stefan startet mal wieder indoor. Bei den Aufnahmen von mir ist alles gut, bei Bifi und Hiasl entwickelt die Drohne wieder ein Eigenleben, fliegt gegen die Decke und schmiert ab. Na toll…
Nach dem Soundcheck gönne ich mir den Luxus einer Massage, heute ist eine Physiotherapeutin samt Liege vor Ort. Marc, Thomas und Stefan sind schon tiefenentspannt und jetzt bin ich dran. Herrlich. Ich komme mit einem Hauch Latschenkieferduft und dem berühmten Ringabdruck im Gesicht zum Abendessen. Nach einem lukullischen Mahl ist Einlass und heute erwarten wir den Tourrekord an Zuschauern! Die Show wurde extra von der kleinen in die große Halle verlegt, weil wir im Vorfeld ausverkauft waren. So konnte der Ticketverkauf weiterlaufen du die Halle ist samt Emporen voll! Entsprechend gut die Stimmung schon bei D’Artagnan, die heute den Support machen.
Wir bereiten uns auf die Show vor: Musik an, umziehen und dann ist es soweit: raus auf die Bretter, die die Welt bedeuten!
Was folgt ist ein Abriss vom Feinsten. Eine wahnsinnige Stimmung, beste Laune vor und auf der Bühne. Zu „Willst du?“ ein Heiratsantrag im Publikum, direkt vor Thomas und mir. Wir haben uns wieder einen besonderen Platz ausgesucht: rechts vorne in der Halle führt eine Treppe zur Empore. Hier ist ein Zwischenstock, auf dem man wie auf einem Balkon stehen kann. Da gehen wir heute hin und direkt unter uns passiert’s. Und: sie sagt ja! Krönung eines unvergesslichen Abends!
Klatschnass und glücklich verlassen wir die Bühne, um frisch geduscht und trockengelegt wieder zu den Fans zu gehen.
Nach vielen Bildern, Autogrammen und Gesprächen geht es zurück, wo noch eine spontane kleine Aftershowfeier stattfindet. Dann ruft der Bus. Und irgendwann die Koje. Laut und deutlich!
Es geht für 2 Tage nach Hause, dann treffen wir uns zum 5. Tourblock. Es geht nach Bielefeld, Wiesbaden und Dresden. Aber das ist dann ein neues Kapitel!

Gute Nacht!

Hipp Höpp

Ducky