31.10.-3.11.2019 Artus-Tour Teil 2: Magdeburg, Berlin, München

31.10.-3.11.2019 Artus-Tour Teil 2: Magdeburg, Berlin, München

Guten Morgen, liebes Tagebuch!

Zum Aufwärmen, unsere aktuellen Tournee Playlists:

        Einlassmusik & Umbaupause

Nach ein paar Tagen zuhause ist es wieder soweit und es heißt: Aufbrechen zum zweiten Tourblock. Ich setze mich gegen 19.30 Uhr ins Auto und düse los in Richtung Gröbenhell. Wir fahren gegen 22 Uhr, es ist kaum Verkehr und ich komme gut durch. Einziges Problem: Wir haben eine neue Merchlieferung bekommen, die muss irgendwie im Bus mit, um dann in Magdeburg in den Truck umgeladen zu werden. Wir sind allerdings komplett belegt und der Dopplestock hat eine verhältnismäßig kleine Bay. Es wird also eine lustige Stapelei aus Kartons, Taschen und Koffern. Irgendwie passt aber doch alles rein, man muss eben ein wenig klettern, um in die Kojen zu gelangen… Egal, es ist ja nur für diese eine Fahrt.
Nach einem gemeinsamen Feierabendbier verabschiede ich mich in die Koje. Am nächsten Morgen erwartet uns strahlender Sonnenschein in Magdeburg. Das alte Theater ist eine schöne Location mit riesiger Bühne.
Eigentlich will ich heute in die Stadt, um mir eine Tastatur zu besorgen. Die ist bei meinem Mac Book nämlich abgeschmiert und bevor die neue eingebaut werden kann, muss ich die Zeit irgendwie überbrücken, um zumindest das Tagesgeschäft zu erledigen. Allerdings stellt sich heraus, dass in Sachsen-Anhalt heute Feiertag ist. Den hatte ich natürlich nicht auf dem Schirm… Gut, dann eben morgen am Offday in Berlin!
So verbringen wir den Tag mit Essen und Showvorbereitungen, Sozial Media muss über Tablet und Handy funktionieren und nach dem Abendessen ziehen wir uns langsam um.
Für heute hat Saskia Schminke gekauft und möchte Halloween auf der Bühne zelebrieren. Na gut… Machen wir eben mit…

Schandmaul_ARTUS_Tour_2019-8Ich habe dabei allerdings nicht bedacht, dass die weiße Farbe im Gesicht einen technischen Aussetzer zur Folge hat: An meinem Gesangsmikrofon ist ein Infrarotsensor, eine Art Lichtschranke, die das Mikrofon aufmacht, sobald ich mich mit dem Gesicht nähere. Dumm nur, dass das mit der Schminke nicht mehr funktioniert und mein Mikrofon nicht aufmacht, sprich: Ich kann singen was ich will, es kommt nicht an. Also ist Paul so nett, mir ein nasses Handtuch zu bringen und ich entferne einen Großteil der Schminke. Jetzt geht auch der Sensor wieder. Die Stimmung ist ausgelassen und es wird ein rundum gelungener Abend!
Mit ein paar netten Menschen feiern wir noch das Leben an sich, dann werden wir aus der Halle gekehrt und es geht an Bord unseres rollenden Zuhauses. Berlin steht auf der Liste. Erstmal mit einem Offday. Ich war im Vorfeld so dekadent, mir ein Hotelzimmer zu nehmen. Marc hat mit Jacob telefoniert, einem Freund von uns, der Pilot ist und der uns zu einem Rundflug über Berlin einlädt. 3 Leute können mitfliegen und Marc, Thomas und ich sind dabei! Bevor es ins Taxi geht, suche ich eine Toilette. Das Huxleys ist trotz Absprache noch zu und so denke ich mir in meiner jugendlichen Naivität, dass bei beim MC immer was geht. Aber: Wir sind erstens in Berlin und zweitens in Kreuzberg. Da haben die Toiletten schlicht und ergreifend keine Türen und mich einfach hinter ein kleine, nach vorne offene Trennwand zu setzen … nein danke! Es wird also die Kundentoilette vom Karstadt. Die ist sauber und abschließbar!
Gegen 11 kommt das Taxi, das Marc über diese wahnsinns Taxiapp bestellt. Mein Gott, bin ich retro…
Hier sieht er das Fahrzeug, weiß das Kennzeichen und den Namen des Fahrers und bezahlt auch gleich noch mit der App. Natürlich habe ich dieses Teil jetzt auch auf meinem Handy…
Mit Jacob geht’s weiter zum Flughafen Strausberg und hier in eine kleine Cessna. Ein enger Viersitzer, der einen die Luft sehr direkt spüren lässt. Wir fliegen in Richtung Fernsehturm, über den Tiergarten, die Spree und bekommen schließlich eine Tieffluggenehmigung für Berlin Schönefeld. Es geht vorbei an großen Maschinen und über die Start- und Landebahn. Viel zu schnell sind wir wieder zurück und machen uns per Bahn du Taxi auf den Weg zurück zum Huxleys.
Es ist schon dunkel, als wir ankommen. Ich packe meine Sachen und fahre ins Hotel. 2 Stunden Nichtstun. Herrlich! Abends treffen wir uns noch einmal bei einem türkischen Grill, wo es zwar leckeres Essen zu – für Münchner Verhältnisse – unfassbar günstigen Preisen gibt, aber kein Bier. Also ziehen wir nach dem Essen weiter. Es gestaltet sich allerdings als gar nicht so einfach, ein Lokal zu finden, in dem nicht geraucht wird und das Platz für 8 Leute bietet. Außerdem soll es gute Getränke und auch gutes Essen geben, denn 2 Nachzügler sind noch hungrig. Nach einer Stunde Umherirren werden wir doch noch fündig und die „Zitrone“ bietet alles, was das Herz begehrt.
Ein paar nette Gespräche und gutem Bier später fahre ich ins Hotel und falle in mein Bett. Ausgebreitet, ohne Platzmangel. Und einen Vorhang muss ich auch nicht mehr zuziehen. Gute Nacht!

Der nächste Morgen beginnt gefühlt deutlich zu früh, macht aber nichts, ich habe einiges zu tun. Zum Beispiel ist da nach wie vor das Thema „Rechner“. Etwa einen Kilometer von der Venue ist ein Mediamarkt. Hier sollte es Tastaturen geben. Außerdem wollen wir für den Backstagebereich eine gute Bluetooth-Lautsprecherbox. Auch da werde ich fündig! Tagesauftakt: erfolgreich! Als dann die Tastatur auf Anhieb funktioniert ist der restliche Tag gerettet!
Ab heute gibt’s wieder Musik im Backstage und somit steht einer guten Stimmung nichts im Wege!
Am Nachmittag gibt’s ein Interview und der Abend wird von einem uns bislang unbekannten Filmteam begleitet, das von Birgit noch in Abläufe und Besonderheiten in den einzelnen Songs eingewiesen wird. Das Huxleys ist rappelvoll und die Stimmung bereits ab Einlass großartig. Entsprechend gut gelaunt machen wir uns auf den Weg zur Bühne und lassen uns durch diesen Abend tragen. Ein wunderschönes Konzert! So darf die Tour gerne weitergehen!
Nach der Show geht’s wie immer unter die Dusche und dann raus zu den Fans, bis jeder sein Foto und sein Autogramm hat. Nach einem kleinen Absacker in illustrer Runde machen wir uns auf den Weg zum Bus, denn die Fahrt nach München ist weit und wir müssen früh da sein!
Ich verabschiede mich zeitnah in meine Koje.

Es ist gegen 9 Uhr, als ich vom eigentlichen Langschläferexperten Stefan geweckt werde, als dieser seine Sachen packt. Der Bus fährt bald weiter und so muss alles aus dem Bus. Wir sind in München am Circus Krone angekommen und ich pelle mich ebenfalls aus der Koje. Es gibt ganz klischeehaft Weißwürscht und Brezn zum Frühstück. Ja, so heißt das bei uns in Bayern. Daran kann man Nichtbayern übrigens sofort entlarven: Wenn aus der Brezn eine Brezel wird. Aber für alle, die des Bayerischen nicht mächtig sind: Es gibt Weißwürste und Brezeln. Mit süßem Senf natürlich. Herrlich, jetzt ist mir schlecht und ich schau, dass ich mein Auto in den Innenhof vom Krone bekomme. Schon mal ein paar Sachen einpacken, dass ich heute Nacht nicht zehnmal rennen muss.
Heute passieren ein paar Besonderheiten: Santi und Matze sind wieder dabei und filmen mit. Dann kommt Tommy samt Bummfilm-Gang und den Schandmaul-Puppen aus dem „Totengräber“-Video. Die werden heute mit uns genau diesen Song performen. Das wird nachmittags zum Soundcheck schon mal geprobt und verspricht da schon, ein Knaller zu werden.

Schandmaul_ARTUS_Tour_2019-1

Als Support sind heute unsere Freunde von D’Artagnan am Start, da Vroudenspil anderweitig unterwegs sind.
Außerdem – typisch für ein Heimspiel – sind viele Gäste da, die bereits nachmittags bespasst werden wollen und so wird es keine Sekunde langweilig. Ich bin eher des Öfteren versucht, mir ein ruhiges Plätzchen zu suchen. Gar nicht so einfach, wenn jeder Raum belegt ist…
Schließlich ist es aber soweit und D’Artagnan eröffnen den Abend. Die Stimmung ist super und wir stimmen uns im ersten Stock auf den Abend ein. Als wir die Bühne betreten bietet sich uns ein grandioser Anblick! Der Circus Krone ist – obwohl inzwischen deutlich in die Jahre gekommen – schon leer ein toller Anblick. So gut gefüllt wie heute aber gleich noch viel schöner! Für mich die schönste Konzerthalle in München und bestimmt unter meinen persönlichen Top 5 überhaupt. Es wird ein wunderbarer Abend und diese Tour ist bis jetzt eine der schönsten in den letzten Jahren. Es läuft einfach rund und macht unglaublich viel Freude, auf der Bühne zu stehen. So darf das gerne weitergehen!
Wir spielen über 2 Stunden und sind danach durchgeschwitzt, bratfertig, aber total happy. Schnell duschen und raus zu den Fans. Die Security ist schon dabei, die Halle zu räumen, wir können das mit unserem Erscheinen noch ein wenig hinauszögern. Ein paar Fans sind enttäuscht, dass Thomas nicht mehr rauskommt heute. Dazu nochmal kurz zur Erklärung: Der Mann ist unsere STIMME. Wie viele Menschen mich alleine gestern mit Rotznase, Husten etc. gedrückt haben will ich hier nicht weiter ausführen. Aber: Wenn ICH mich erkälte, interessiert das meine Gitarre reichlich wenig und auch nicht den Ablauf der restlichen Tour. Beim Sänger gestaltet sich das schwieriger. Von daher geht Gesundheit vor! Ich denke, das sollte jeder verstehen und akzeptieren, zumal man uns immer Booklets etc. im frankierten Rückumschlag schicken kann, um fehlende Autogramme nachzuholen.
Der zweite Tourblock ist damit erfolgreich abgeschlossen und, nachdem der Nightliner weg ist, beginnt das große Verabschieden. Zumindest bis Mittwoch, denn da geht es auf zur nächsten Rutsche: Ulm, Wien, Stuttgart. Was für ein Routing 😉
Ich werfe meine Sachen ins Auto und starte den Heimweg. 191 Kilometer meint mein Navi und um exakt 2 Uhr morgens bin ich in meiner niederbayerischen Heimat Niederbayern. Da falle ich jetzt ins Bett, um halb 7 klingelt der Wecker. Es ist Schulzeit….

Gute Nacht!

Hipp Höpp

Ducky